Stille Geburt

by sianapoetry

Der dunkle Raum roch nach Chemie und Desinfektionsmittel. Ihr war kalt, obwohl die Heizung dumpf ratterte und sie einem die Finger verbrannte, wenn man sie berührte. Sie wartete in der ammoniakgetränkten Dunkelheit, zählte bis 140. Dann stand sie auf. Mit den Fingern ihrer Mutter strich sie über die raue Tapete und schaute durch die tränengefüllten Augen ihres Vaters in die graue Nacht hinaus. Dann zog sie die Schalosie runter. Seit zwei Tagen war es nicht mehr richtig dunkel geworden. Seit 2 Wochen schlief sie nicht mehr. Und seit einer Woche nahm sie Schlaftabletten, gegen deren Wirkung sie kramphaft ankämpfte. Sie stützte sich mit der rechten Hand auf das harte Bett und hiefte sich wieder hinauf. Seit Tommas Geburt hatte sie ein Stechen im Unterleib, das nie ganz verschwand, aber am meisten schmerzte, wenn die sich setzte oder aufstand. Sie presste die Lippen auf einander.

Im Gang wurde ein Bett vorbeigeschoben. Laut ratterten die Stahlräder über den grünen linoleum Boden und hallten in ihrer Erinnerung wieder.

13.2., ein Donnerstag. Suna war früh augewacht. Das Bett war nass und sie wusste, dass ihr Schwangerschaftsdasein bald ein Ende haben würde. Sie stellte sich unter die Dusche und ließ sich vom heißen Wasser den Rücken verbrühen. Eine Welle der Beunruhigung durchfuhr sie. Sie legte ihre Hände unter ihren Bauch und versuchte ruhig zu atmen. Das Kind in ihr bewegte sich. Sie stellte das Wasser ab und verließ die Dusche ohne sich abzutrocknen. Auf dem Weg zum Telephon überraschte sie die erste Wehe. Mit einem unterdrückten Schrei sankt sie auf das nahe Sofa. Sie atmete stoßartig, so, wie sie es immer in den TV – Serien gesehen hatte, wenn jemand ein Kind bekam. Ihr Leib zog sich zusammen, sie stöhnte unter Schmerzen und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Mit Mühe richtete sie sich wieder auf und griff nach kurzem Gleichgewichtsüberprüfen zum Hörer. 2o Minuten später befand sie sich in einem kleinen weißen Zimmer. 

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