Sïana Poetry

Kein Gesetz verbietet Phantasie

Category: Story Telling

Hommage an den kleinen Prinzen

Den nächsten Planeten bewohnte ein Träumer.
“Was machst hier?”, fragte der kleine Prinz, der den Träumer auf einer duftenden Wiese antraf.
“Ich träume!”, sagte der Träumer mit einem Lächeln auf den Lippen.
“Wovon träumst du?”, fragte der kleine Prinz.
“Von der Liebe.”, sagte der Träumer.
“Was ist Liebe?”, fragte der kleine Prinz.
“Liebe… Liebe, das ist .. etwas Wundervolles … “, und der Träumer seufzte verträumt.
“Aber warum wundervoll?”, fragte der kleine Prinz.
“Weil sie zum Träumen bringt.”, sagte der Träumer.
“Gewiss,” sagte der kleien Prinz,” aber warum tut sie das?”:
“Weil sie Liebe den Kopf mit dem Himmel verbindet. Weil die Liebe ungreifbar in ihrer Existenz ist. Weil die Leute das Glück der Liebe nicht fassen können. Darum meinen sie, Liebe sei wundervoll.”
“Aber warum ist sie wundervoll=”, fragte der kleine Prinz, der nie eine Frage vergaß, die er einmal gestellt hatte.
“Weil die Liebe zum Träumen bringt”, sagte der Träumer und versank in tiefes Schweigen.
Der, dachte der kleine Prinz, ist ein bisschen dumm, und es erzürnte ihn, dass der Träumer ihm die Liebe nicht erklären konnte. 
Ohne ein weiteres Wort verschwand er.

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Marseillaise

Der morgendliche Frühlingsnebel kroch aus dem Hafen in die Innenstadt. Hauchdünn legte er sich um die Kirchtürme und Buntglasfenster und zog so tief, dass sogar die Straßen rutschig wurden.
Bernat ging durch die Straßen auf die noch geschlossenen Stände des Markplatzes zu, den Kopf voll mit den Erinnerungen an alkoholische Unmengen und Frauen ohne Oberteile. Der Wind wehte kalt durch seine Kleider und er zog den Mantel enger um seine schmalen Schultern.
Obwohl es schon April war, war es immer noch kalt, besonders am Morgen. Und wenn man des Nächtens durch die Alleen ging, oder stolperte, je nach Höhe des Alkoholspiegels, konnte man auch die Kirsch- und Kastanienbluten in ihren Eiskleidern auf den Bäumen stehen sehen.
Er schlug seinen Weg nach rechts ein und wanderte zum Ursprung des Nebels, dem Hafen. AM Himmel folgten ihm die Möwen und die Sonne stahl sich fahl und blass in sein Blickfeld

Manie

Das Motorrad knattert. Das Land um sie fliegt wie in Fetzen an ihnen vorbei. 
Gelb. Grün. Weiß. Blau. Rot.
Der Wind wird uns tragen. Der Wind wird und fort tragen, weit in die Welt. 
Sie lachen und haben Tränen in den Augen. C´est la manie. Le manie de vie.
Und sie schreien sich die Seele aus dem Leib. Die Liebe in den Himmel, in den Wind, in die Welt.
Aus dem Herzen, aus dem Blick. Oder wie man sagt

Stille Geburt

Der dunkle Raum roch nach Chemie und Desinfektionsmittel. Ihr war kalt, obwohl die Heizung dumpf ratterte und sie einem die Finger verbrannte, wenn man sie berührte. Sie wartete in der ammoniakgetränkten Dunkelheit, zählte bis 140. Dann stand sie auf. Mit den Fingern ihrer Mutter strich sie über die raue Tapete und schaute durch die tränengefüllten Augen ihres Vaters in die graue Nacht hinaus. Dann zog sie die Schalosie runter. Seit zwei Tagen war es nicht mehr richtig dunkel geworden. Seit 2 Wochen schlief sie nicht mehr. Und seit einer Woche nahm sie Schlaftabletten, gegen deren Wirkung sie kramphaft ankämpfte. Sie stützte sich mit der rechten Hand auf das harte Bett und hiefte sich wieder hinauf. Seit Tommas Geburt hatte sie ein Stechen im Unterleib, das nie ganz verschwand, aber am meisten schmerzte, wenn die sich setzte oder aufstand. Sie presste die Lippen auf einander.

Im Gang wurde ein Bett vorbeigeschoben. Laut ratterten die Stahlräder über den grünen linoleum Boden und hallten in ihrer Erinnerung wieder.

13.2., ein Donnerstag. Suna war früh augewacht. Das Bett war nass und sie wusste, dass ihr Schwangerschaftsdasein bald ein Ende haben würde. Sie stellte sich unter die Dusche und ließ sich vom heißen Wasser den Rücken verbrühen. Eine Welle der Beunruhigung durchfuhr sie. Sie legte ihre Hände unter ihren Bauch und versuchte ruhig zu atmen. Das Kind in ihr bewegte sich. Sie stellte das Wasser ab und verließ die Dusche ohne sich abzutrocknen. Auf dem Weg zum Telephon überraschte sie die erste Wehe. Mit einem unterdrückten Schrei sankt sie auf das nahe Sofa. Sie atmete stoßartig, so, wie sie es immer in den TV – Serien gesehen hatte, wenn jemand ein Kind bekam. Ihr Leib zog sich zusammen, sie stöhnte unter Schmerzen und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Mit Mühe richtete sie sich wieder auf und griff nach kurzem Gleichgewichtsüberprüfen zum Hörer. 2o Minuten später befand sie sich in einem kleinen weißen Zimmer. 

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Spanner

Nachdem er sich einen weiteren Kaffee runtergedrückt hatte und mit seiner Wurstsemmel unter den Arm geklemmt zum Fenster schritt, feierlich, denn so schien es ihm passend, stellte er Tasse und Semmel aufs Fensterbrett und griff zum Fernglas. Er drückte es sich an die Augen und sah in den zum greifen herangezoomten Himmel. Es kreisten einige Schwalbe um die Sonne, die hinter einer dichten Milchglas-Wolkenschicht Zuflucht gefunden hatte, und ein Flugzeug knatterte mit einem Werbebanner über den Dächern. Langsam, damit ihm nicht schwindelig wurde, schwenkte er auf den großen Betonblock vor ihm, Wohnhaus 34. Zwölf Stockwerke. Zwei Balkone und sieben Fenster pro Stockwerk. Bei einigen waren die Vorhänge vorgezogen, was er für die Uhrzeit nicht passend befand, andere standen weit offen und Mittagsessendampf strömte heraus. Hineinsehen konnte man in keines, er würde es nach der Arbeit noch einmal versuchen. Wenn es draußen dunkel und in den Wohnungen elektrisch hell würde er schon seine Spaßbedürfnis befriedigt finden. Er nahm einen Schluck aus der Tasse und ließ den braunen, schon fast kalt gewordenen Kaffee seine Zähne umspülen. Er warf noch einen Blick durch das Fernglas auf die grau braun grüne Fassade des gegenüberliegenden Hauses. Die Kunststoffverkleidungen der Balkone starrten vor Dreck. Nachdem er sich mit einem Bissen die Hälfte der Wurstsemmel in den Mund gesteckt hatte und diese mühevoll gekaut hatte, steckte er sich eine Zigarette an. Das Feuerzeug widersetzte sich zuerst seinem Willen doch dann gab es sich doch mit seiner Berufung zu frieden und ließ eine minimalistisch kleine Flamme aufleuchten.

„Scheißdingverdammtes“, grummelte er in seinen Bart. Worauf ihm einfiel dass er sich rasieren wollte.

Galerieerlebnis

Er steht da, während die Welt an den Fenstern vorbeirauscht, spricht nur zu mir und doch zum Ganzen Universum. Er bewegt seine Lippen, blinzelt, gestikuliert wild, wie kann er all das tun ohne mich zu berühren?

„Komm, wir gehen.“

„Nein, lass mich. Ich möchte zuhören.“

„Du hörst nicht, du siehst nur. Lass uns gehen.“

Lass uns gehen, lass uns gehen .. ich möchte das hören.“

Ich dränge mich durch die begeistert klatschenden Menschenleiber und lasse Dimitri hinter mir zurück.

„Schöne Frau, Champagner?“

„Danke, nein.“

Ich wende mich wieder zur Bühne.

Sein dunkles Haar fällt ihm Gesicht und verbirgt seine Augen. Die Menschenmenge zerstreut sich.

„Wir gehen jetzt!“

Ich reiße mich von Dimitri los, der wieder hinter mir steht und mich am Arm gepackt hat.

„Lass mich los, ich will nicht! Lass mich in Ruhe, verdammte Scheiße.“

Dimitri drückt seinen Mund auf meinen und als er mich wieder ansieht sind seine Lippen rot von meinem Lippenstift.

„Arschloch!“

Er küsst mich noch einmal und ich schmecke seine Zunge.

„Dimitri!“

„War doch nur Spaß, jetzt komm schon. Mama hat das Essen sicher schon fertig. Komm!“

Ich sehe wieder zur Bühne auf. Er starrt Dimitri und mich mit entgeistertem Blick an. Ich sehe ihm direkt in die Augen, dann beiße ich in mein Unterlippe. So fest, dass sie anfängt zu bluten. Seine Augen weiten sich und reflektieren das blanke Entsetzten seines Geistes wieder. Ich sehe ihn gespielt Gedankenverloren an und fahre mit dem kleinen Finger über meine Lippen, dann wende ich mich um und gehe mit großen Schritten Dimitri hinterher, der am Ausgang auf mich wartet. 

Screbleu

Es ist morgens. Alles ist still in der Wohnung. Im Zimmer ist es noch halb dunkel. Dominique und Gerard liegen rauchend auf ihrer Matratze.

 

Dominique: Warum zwitschern die Vögel noch nicht?

Gerard: Ich weiß nicht. Wie spät ist es?

Dominique: Keine Ahnung. Spät genug um wach zu liegen und früh genug um darüber nachzudenken. Nach einigen Sekunden. Ist es schon hell?

Gerard: Wohl kaum, sonst würden wir nicht im Dunkeln liegen.

 

Langes Schweigen. Man hört nur noch das Atmen der beiden. Nach einiger zeit beginnen die Vögel zu

 

Der Essraum ist hell erleuchtet. Am Tisch sitzen Dominique, Gerard und Freunde. Sie scherzen lachen & rauchen.

 

Bordeaux: Es ist viel zu warum im Zimmer!

Dominique: Mit deinem Peltz ist das auch kein Wunder.

Alle lachen.

Gerard: Wenn wir das Fenster öffnen werden wir erfrieren. Heute Nacht ist es schweine kalt.

Camille: Dann können wir uns Iglus bauen und mit Eisbären kämpfen. Vielleicht bekommen wir dann mal endlich etwas Ordentliches zu essen.

Dominique: Ach scheiße, die Spagetti! Sie springt auf und läuft in die Küche wo die Spagetti überkochen.

Gerard: Warte, ich helfe dir.

Gerard nimmt den Topf und gießt das heiße Wasser und die Nudeln in ein Sieb. Dominique sieht ihr zu.

Gerard: Hol die Sauce.

Dominique leise zu GerardKommandier mich nicht so rum wenn wir Gäste haben.

Gerard sieht sie an.

Gerard: Sie steht in der Speisekammer. Kannst du sie bitte holen?

Dominique schaut sie gleichgültig an. Im Hintergrund das Lachen der Freunde über einen Witz.

Dominique: Gerne. Zu den Freunden rufend. Wer als letzter in der Küche steht bekommt kein Besteck!

 

 

Es ist ruhig im Raum. Leise Musik ist zu hören. Das Zimmer ist mit dumpfem Licht erfüllt. Die Lampen sind mit Tüchern abgehängt. Auf dem Sofa sitzen und liegen Dominique, Gerard und ihre Freunde. Sie rauchen Gras, trinken und geben sich ihren Gedanken hin.

 

Es ist hell im Zimmer. Die Freunde und Gastgeber liegen schlafend auf Boden und Sofa. Im Zimmer herrscht ein heilloses Durcheinander aus Flaschen,  Aschenbecher, Zigarettenstummel, Drogen und anderem. Dominique steht auf, reib sich die Augen und taumelt aus dem Zimmer.

 

Dominique steht im Bad. Sie blickt in den Spiegel. Hinter ihr steht Gerard. Sie führen ein ruhiges Streitgespräch.

 

Dominique: Findest du es abartig, dass ich mich Tag für Tag für Menschen schön mache, die ich niemals treffen werde? Fremde auf der Straße?

Gerard: Das bist nun mal du, so habe ich dich kennen gelernt, und in das habe ich mich auch verliebt. Hättest du nicht diesen ewigen Schönheitswahn, ich hätte dich wohl gar nicht bemerkt.

Dominique: .. Das war jetzt gemein.

Gerard: Nein, das war ehrlich. Du weißt ich würde dich nie anlügen.

Dominique dreht sich zu Gerard um : Ja weiß ich, aber manchmal wäre es mir doch lieber du wärst ein Mädchen wie all die Männer da draußen. Ich denke es wäre leichter für mich, dich in dieser weiße so zu lieben, wie du es erwartest.

 

Gerard blickt Dominique lange an. Dann verlässt sie das Zimmer.

 

Dominique ruft ihr nachIch war nur ehrlich, und das weißt du. Hör auf dich  zu verleugnen und nimm endlich dein Selbst an!

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Nora und Ich

Ich knie auf dem schachbrettgemusterten Fliesenboden in Noras Badezimmer und entledige mich der 8 Flaschen Bier mit denen ich die letzte Stunde verbracht hatte. Nora sitzt neben mir. Ihre Hand liegt auf meinem Rücken und sie flüstert immer wieder: „Alles wird gut. sch-sch. Alles wird wieder gut werden, du wirst sehen.“ Mein Magen zieht sich krampfhaft zusammen, in der Hoffnung noch mehr aus sich her raus zu pressen. Doch mein Bauch ist leer und ich schmecke nur den ekelhaften Geschmack meiner Magensäure auf der Zunge.

Ich lehne mich zurück und wische eine Träne von meiner Nasenspitze. Nora sieht mich an.

„Wasser?“.

Ich nicke. Sie beugt sich über mich, greift nach einer Bierdose und füllt sie mit Wasser auf.

Ich greife danach und  presse mir das kalte Metal an die Unterlippe. Kleine weiße Lichter tanzen durch meinen Kopf und ich kann mich nicht konzentrieren. Mein Blickfeld verschwimmt, ich hebe die Dose und Wasser rinnt in meinen Mund, über mein Kinn und meinen Hals hinunter. Noch einen Schluck. Und noch einen. Ich spüre, wie das Wasser gurgelnd meine Magenwände hinauf schwappt. Nora nimmt mir die Dose weg und wischt mir mit einem Handtuch quer übers Gesicht. Sie nuschelt irgendetwas Unverständliches und steht auf. Ich blicke sie an und versteh was sie will. Ihre schmale Hand streckt sich mir entgegen und ich ergreife sie. Mit einem Ruck steh ich wieder auf den Beinen und Nora zieht mich durch den dunklen Vorraum in ihr Zimmer. Sie sagt ich soll mich aufs Bett legen während sie noch etwas holen geht. Die Tür schließt sich hinter ihr und ich setze mich mit einem gribbligen Gefühl im Bauch auf das Doppelbett. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und stelle mir vor ich wäre wieder zu hause, bei Mam und Gloria. Ich stelle mir vor wie ich am Fensterbrett sitze, Gloria am Schoß, wie ihr rotes Fell in der Sonne glänzt und wie sie sich an mich schmiegt. Ich frage mich zum tausendsten mal was passiert wären, wäre ich nicht weggegangen, wäre ich nicht ins ‚Rush’ gegangen und hätte ich nicht Nora kennen gelernt. Was wäre passiert wenn wir nicht mit diesem Typen mitgegangen wären, nicht die Nacht in diesem schäbigen Hotel geblieben wären und was passiert wäre wenn ich nicht das weiße Zeug durch meine Nase geschnupft hätte. Ich denke wieder an Mam, wie mich ihre besorgten Augen musterten. „Es wird nichts passieren, jetzt mach dir keine Sorgen.“, hallten meine eigenen Worte in meinem Kopf wieder. „Es wird nichts passieren..“

Ein leisen knarren lässt mich aus meinen Gedanken hochschrecken. Ich öffnet die Augen und bemerke Noras dunkle Silhouette die sich neben mich legt.

„Hey.“, flüstere ich, fast unhörbar.

Ihr Finger streicht über meine Wange und ein geflüstertes „Hey.“  kommt aus der Richtung wo wohl ihr Mund sein muss.

„Wo warst du?“, frage ich leise.

Nora zieht eine dicke Wolldecke aufs Bett und zieht sie mir über die Schultern, die in den letzten Monaten viel zu schmal geworden sind. Sie drückte schwer auf meinen Körper und kratzte über meine nackte Haut.

„Danke.“

„Hm.. schon okay.“, Nora drückt mir ihre trockenen Lippen auf die Stirn und rollt sich zur Wand. Ich betrachte ihren Rücken, die gerade Linie ihrer Wirbelsäule. Ihre dürre Gestallt wirft einen grauen Schatten auf das Bett. Ich bemerke wie sie zittert und packe die Decke, werfe sie über ihre Schultern.

„Lass das!“, zischt sie und der kleine Deckenzipfel fliegt mir entgegen.

„Du wirst noch krepieren in dieser Kälte.“, sage ich laut.

Nora antwortet nicht.

Wut

Ich wünschte ich könnte dir wehtun.

ich wünschte ich könnte dich schlagen, dich treten, missachten, peitschen, anschreien, brüllen, auf dich ein prügeln, meine Fäuste in deine Magengrube drücken, mit all der Kraft die mein stumpfer Geist sich entlocken lässt, meine Nägel in dein Fleisch graben, an dir reißen, dich zerquetschen, deinen Körper gegen Wände schmettern, meine Zähne in deiner Haut verstecken und deine Schutzhülle zerfetzen.

Ich wünschte ich könnte all das Leben aus dir heraus pressen, wünschte, ich könnte dich unter Wasser drücken und deinen Schädel zertrümmern, deine Hoffnung und deinen Glauben an Gerechtigkeit nehmen.

Ich wünschte ich könnte dir Schmerz lehren und was es bedeutet frei zu sein.

Ich weiß, du willst nicht ohne Narben sterben. Ich erfülle dir deine Wünsche. Schlage so lange in dein Gesicht bis ich nur noch in Brei hämmere. Morde dich mit einem stumpfen Beil, zeige dir, wie viel Blut ein Mensch schlucken kann.

Ich will dir die Praxis der Anatomie zeigen, wie ein Körper vor Todesangst krampft und zittert.

All das, noch so viel mehr, will ich dir bieten.

Will dir den Tod zeigen.

ja manchmal möchte ich schreien

möchte kämpfen und töten

meine Nägel in deiner Haut wieder finden

und lachen, wissend, dass du mich nicht überlebst.

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Salma

Salama war eine dieser Frauen, die im Frühling gerne rote Hüte trugen. Grelles Rot, so, dass die Farbe ihrer Locken mit dem roten Hut einen herrlichen Kontrast ergaben. Am Morgen, wenn Salma am Bahnsteig wartete um in das kleine Kaffee in der Stadt zu fahren, in dem sie arbeitete, und der Zug einfuhr, so musste sie immer ihren Hut fest an ihren Kopf drücken, damit er nicht wegflog.

In ihrer Kindheit und Jugend war sie immer jemand gewesen, dessen schnelle Auffassungsgabe Jedermann verblüffte. Als sie an einem besonders heißen 26. August das Fahrrad fahren lernte – nun ja, lernen konnte man nicht sagen, denn sie schwang sich einfach auf ihr kleines Rad, das zuvor ihrem Bruder gehört hatte, und fuhr wie ein Berserker die Straße hinauf – da meinte ihr Vater nur: “Das ist doch nicht mehr normal.“.

Salma hatte diesen Satz oft gehört in ihrem Leben, auch im Negativen. Meist von ihrem Mathematikprofessor, der, als Salam an ihrem Abschluss zu ihm kam um sich zu bedanken, für die Geduld, die er immer mit ihrem nicht vorhandenen Genie – wie er zu sagen pflegte – hatte, Salma ganz unverschämt an ihren Busen fasste und meinte, sie wäre doch auf jeden Fall noch zu etwas zu gebrauchen. Sie aber, kokette wie sie war, nahm seine Hand von ihrem Dekolleté  und legte sie sich zwischen ihre Beine. Dann setzt sie ihrem schönsten Wimpernaufschlag auf und antwortete: „Sie aber nicht, Herr Professor.“, machte auf dem Absatz kehrt und lies den verdutzten Mann, mit einer Beule in der Hose, in seinem Büro zurück. Auch von anderen Männern hatte sie diesen Satz öfters vernommen, meist in einem Streitgespräch, aber verstanden hatte sie ihn nie. Was war denn schon normal? Das Leben auf jeden Fall nicht! Nein, Salma empfand das Leben eher als ungerecht und doch irgendwie schön, weil es immer wieder etwas Neues zu erleben gab. Neues kulinarische Experimente, wie zum Beispiel Gurken auf Weißbrot mit Ketchup, oder eine neue Musikrichtung auszuprobieren. Was Salma aber am eisten Spaß machte, und bei dem sie immer und immer wieder einen Augenblick des AHA-Gefühls erlebte, war Sex. Ja, Salma liebte Sex, wie es keine andere tat. Vielleicht, und auch diesen Satz hatte sie schon öfter gehört, war ihr Verlangen nach Befriedigung auch krankhaft, aber all diesem Pseudomedizin-Kauderwelsch, den Männer, nachdem sie von Salma nach einer Liebesnacht sanft aber doch bestimmt aus dem Bett und der Wohnung verwiesen worden waren, von sich gaben, wollte und konnte sie keinen Glauben schenken.

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